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Donnerstag, 15.12.2011
Kein Mensch ist perfekt - jeder Mensch ist behindert!
Regionaltour des Diözesancaritasverbandes zu Gast in der St. Vincenz-Gesellschaft
"Kein Mensch ist perfekt" lautete die Jahreskampagne 2011 der Caritas.
Dieses Motto war der Anlass der Regionaltour einer Delegation des Diözesancaritasverbandes, bestehend aus Heinz-Josef Kessmann, Diözesancaritasdirektor, Dr. Klaus Winterkamp, Vorsitzender des DiCV, weiteren Fachreferenten und kommunalen Gästen. In der Woche vom 28.11. bis zum 2.12.2011 besuchten sie katholische Einrichtungen und Dienste der Behindertenhilfe im Kreis Warendorf und informierten sich über die dort gelebte Praxis. Stationen waren, neben der St. Vincenz-Gesellschaft, integrative Kindergärten, Schulen, Beratungsstellen, stationäre Wohnangebote und Werkstätten, Caritasverbände und das St. Rochus-Hospital in Telgte. Dort fand auch ein spezieller Abend für die in der Behindertenhilfe tätigen Ehrenamtlichen statt.
Mit dem Jahresthema "Kein Mensch ist perfekt" sind die Forderungen nach Integration, Inklusion und selbstbestimmter Teilhabe eng verknüpft. Die Umsetzung dieser Leitlinien in den Einrichtungen vor Ort stand somit im Focus der Regionaltour. Chancen, aber auch Grenzen und vor allem der im Vordergrund stehende Wunsch und Wille der Menschen mit Behinderung wurde mit Anbietern, Trägervertretern und weiteren Fachleuten diskutiert. Gleichzeitig dient die Regionaltour der Bewusstmachung dieser Themen in der Öffentlichkeit.
AM Montag, dem 28.11. führtedie Reise zunächst in den Wohnbereich für schwerst-mehrfach behinderte Menschen, einer Abteilung des Wohnheimes St. Vinzenz am Stadtpark. Hier leben, mitten in der Stadt, 24 Personen mit sehr hohem pädagogischem und pflegerischem Hilfebedarf und z.T. herausforderndem Verhalten. Für diesen Personenkreis stellen Inklusion und Integration eine besondere Herausforderung dar, da er im Grunde eher stationärer Bedingungen bedarf, so Dr. Karl Stricker, Fachlicher Gesamtleiter der St. Vincenz-Gesellschaft. Die Teilhabe am öffentlichen Leben sei oft nur in einer 1:1 Betreuung zu realisieren. Man müsse daher versuchen, diesen Gegensatz durch das "Hereinbringen der Menschen von außen" zu kompensieren. Eine weitere Herausforderung bestehe in der Akquise gut qualifizierten und motivierten Personals für diesen Arbeitsbereich.
Im Anschluss an die Besichtigung der Räumlichkeiten, die von Einrichtungsleiter Manfred Lechtenberg und Thomas Rohling, Wohngruppenleiter des Schwerst-Mehrfach-Behindertenbereiches begleitet wurde, machte sich die Regionaltour auf den Weg nach Neubeckum.
Im St. Joseph-Heim wurden die Gäste von Einrichtungsleiter Wilfried Röhler und Pflegedienstleitung Marita Mense begrüßt. Schwerpunkt des Besuches waren die Abteilung für chronisch abhängigkeitserkrankte Personen sowie die Pflegeabteilung für Menschen mit Behinderung, zwei weitere Spezifika der St. Vincenz-Gesellschaft. Die sogenannte "Suchtabteilung" mit 31 Plätzen in zwei Wohnbereichen unterstützt Menschen mit einer chronischen Abhängigkeitserkrankung bei ihrem Wunsch, abstinent zu leben. Dabei sind Freiwilligkeit und Motivation wichtige Grundvoraussetzungen für den Erfolg der engmaschigen, auf den individuellen Bedarf hin abgestimmten Maßnahmen, so Mariola Kowalski, Gruppenleiterin mit sozialtherapeutischer Zusatzausbildung für mehrfach beeinträchtigte abhängige Menschen. Das Konzept ermöglicht zunächst die Erprobung des selbstständigeren Wohnens in besonderen Betreuungsformen, es besteht dann die Möglichkeit, wieder in die Wohngruppe zurück zu kehren, wenn dieser Schritt noch zu groß gewesen ist. Einige Überleitungen in das Ambulant Betreute Wohnen konnten in der Vergangenheit bereits stattfinden.
Die Pflegeabteilung mit 40 Plätzen in Ahlen und 47 Plätzen in Neubeckum widmet sich den Menschen mit Behinderung, die im Alter zunehmend pflegebedürftig sind. Auf diesen demographisch wachsenden Anteil behinderter Menschen sind die klassischen Altenhilfeeinrichtungen nicht eingerichtet. Gerade der Personenkreis der Menschen mit einer geistigen Behinderung bedarf, wenn altersbedingte Erkrankungen hinzukommen, besonderer Bedingungen, mit denen die St. Vincenz-Gesellschaft seit nunmehr 5 Jahren Erfahrungen sammeln konnte. Insbesondere profitieren die Bewohnerinnen und Bewohner von der Multiprofessionalität der Teams, in denen Pflegefachkräfte, Heilerziehungspfleger und angelernte Assistenten zusammenarbeiten, so Pflegedienstleitung Marita Mense.
Am Donnerstag führte die Regionaltour in das Berufskolleg für Heilerziehungspflege in Ahlen, wo Schulleiterin Renate Knobel zusammen mit Verena Jäckel, Einrichtungsleiterin des St. Marien am Voßbach in Enniger, den Ausbildungsgang der Heilerziehungspflege vorstellten. Auch die Situation des Einsatzes im Rahmen des Freiwilligen Sozialen Jahres und des Bundesfreiwilligendienstes in den Einrichtungen wurde thematisiert, da sich über diesen Weg oft der Wunsch manifestiert, in diesem Arbeitsbereich weiter tätig zu sein. Es wird eine enge Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen und dem Berufskolleg gepflegt, Ziele sind zum einen der Informationsaustausch über aktuelle, fachbezogene Entwicklungen sowie die Akquise von Mitarbeitern auf der einen und Studierenden auf der anderen Seite. Den individuellen Wünschen und Neigungen der Studierenden werden die angebotenen Formen der Ausbildung - in Vollzeit oder berufsbegleitend - gerecht.
Fr. Knobel und Fr. Jäckel betonten allerdings die Notwendigkeit einer Ausbildung zum Heilerziehungspflegehelfer, die auch den Menschen eine Qualifizierung für den Arbeitsbereich ermöglicht, die trotz vorhandener sozialer Kompetenzen die materiellen Aufnahmevoraussetzungen der Fachausbildung nicht erfüllen.
Einen gelungenen Abschluss fand der erste Tag der Regionaltour in der Preisverleihung des vom Caritas ausgeschriebenen Kreativwettbewerbes zur Jahreskampagne, der am Abend im Festsaal des St. Joseph-Heines stattfand. Insgesamt 14 Beiträge wurden von der Jury begutachtet und bewertet. Der 1. Preis ging an Carina Osthues und Sophia Försterling vom Paul-Spiegel-Berufskolleg in Warendorf. Sie hatten in ihrem Beitrag mehrere aussagekräftige Fotos "nicht perfekter Menschen" mit eingängiger Musk hinterlegt. Die beiden zweiten Preise ginen an die Klasse 27 des Berufskollegs für Heilerziehungspflege in Ahlen für einen kreativen Standkalender mit Bildern und Zitaten sowie an den Wohnbereich St. Benedikt aus Telgte für eine Stuhlskulptur. Einen Sonderpreis erhielten Bewohnerinnen und Bewohner des St. Marien am Voßbach in Enniger, die das Thema Inklusion und Sozialraumorientierung in einer Bildkollage aufgriffen.





