Behindertenhilfe humorvoll in Szene gesetzt

Unterricht im Kino: 80 angehende Heilerziehungspfleger aus Ahlen sahen „Ziemlich beste Freunde“.

80 Studierende des Berufskollegs für Heilerziehungspflege Ahlen haben im Rahmen ihrer Ausbildung eine etwas andere Art des Unterrichts erlebt: Dieser wurde für die angehenden Fachkräfte für Behindertenhilfe in den Kinosaal verlegt – bei einer Sondervorführung im CinemaAhlen stand die französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“ auf dem Programm.

Darin bewirbt sich der arbeitslose und frisch aus dem Knast entlassene Driss als Pfleger beim querschnittgelähmten reichen Erben Philippe – pro forma, um den Stempel für die Arbeitslosenunterstützung zu bekommen. Gegen jede Vernunft engagiert ihn der millionenschwere Aristokrat, weil er spürt, dass der farbige Junge aus der Vorstadt ihm nicht mit Mitleid begegnet. 

„Der Film regt dazu an, das eigene Tun und Handeln im täglichen Umgang mit Menschen mit Behinderung kritischer zu betrachten und sie nicht als leidende, sondern als lebensfrohe Mitmenschen anzunehmen“, schrieb eine angehende Heilerziehungspflegerin danach. „Er wird mich zu offenerem und persönlicherem Umgang mit Menschen mit Behinderung führen“, resümierte ein anderer.

 „Ziemlich beste Freunde‘ wurde von den Studierenden fast einhellig mit der Note ‚sehr gut‘ bewertet“, so Schulleiterin Renate Knobel. Zudem habe der Film angeregt, die Beziehung zwischen Heilerziehungspflegern und Menschen mit Behinderung fachlich-kritisch zu reflektieren. Dies gelte auch vor dem Hintergrund neuer Leitbilder in der Behindertenhilfe wie Inklusion und Assistenz, so die Pädagogin.

  

Fachliches Wissen und Menschlichkeit attestiert

Erfolgreiche Absolventen: Marline Aufdemkamp, Adrian Brune, Juliane Busse, Jeannine Edler, Ksenia Finkelberg, Niclas Flohr, Nils Gutenschwager, Karin Hackstetter, Maria Heider, Friederike Kapturski, Christiane Kocak, Michael Kondziella, Madlin Löhnhardt, Lisa Schläger, Nadine Schlüter, Christina Schreiber, Nadine Wessels, Saskia Wilken und Sonja Winkelmann.

19 Schüler des Berufskollegs für Heilerziehungspflege haben ihre dreijährige berufsbegleitende Ausbildung jetzt mit dem Examen abgeschlossen.

Nach einem Gottesdienst in der Kapelle des St. Franziskus-Hospitals erhielten sie in der Cafeteria des Krankenhauses ihre Abschlusszeugnisse. An der Feierstunde nahmen Angehörige und Freunde der Absolventen teil sowie Vertreter der Einrichtungen, in denen sie ihre praktische Ausbildung durchgeführt haben.

Schulleiterin Renate Knobel resümierte aus Sicht der frisch Examinierten die dreijährige Ausbildung augenzwinkernd mit einem Zitat von Mark Twain: "Ich bin froh, dass ich es getan habe - zum Teil, weil es die Sache wert war, und hauptsächlich, weil ich es niemals mehr tun muss." Sie rief dazu auf, bei der künftigen Arbeit in der Behindertenhilfe "als ganzheitliche Menschen präsent und echt" zu sein. Viele fachliche Kompetenzen seien in der Ausbildung vermittelt worden. Sie nannte dabei Assistenz und Unterstützung im Sinne der Inklusion als Schlüsselbegriffe des Berufsbildes der Heilerziehungspflege. Helfen sei auch eine Frage des Wissens. Aber nicht nur die Weiterqualifizierung beruflicher Kenntnisse sei ausschlaggebend, sondern ebenso menschliche Kompetenzen, Authentizität und eine Haltung, die die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt. So wünscht sie den nun Examinierten einen positiven Rückblick und Rückgriff auf die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen, im Sinne des oben genannten Zitates"Weil es die Sache wert war".

Klassenlehrerin Edith Bünte-Vollmert nahm das von der Klasse gewählte Motto "HEPpy End" zum Anlass, die Ausbildung mit berühmten Hollywood-Filmen zu vergleichen. Humorvoll skizzierte sie typische Situationen der letzten drei Jahre, bei denen die Protagonisten am Ende des Filmes als Helden in ein "HEPpy End" laufen.

Die Absolventen dürfen nun die Bezeichnung "Staatlich geprüfte Heilerziehungspfleger" führen.

Interessen angehender Helfer behinderter Menschen vertreten

Engagiert für Heilerziehungspfleger in Ausbildung (v.l.): Schülersprecher Benno Bührs und die Stellvertreterinnen Sabine Gries, Julia Schmidts und Katrin Neckenig.

Die Studierenden haben gewählt: Benno Bührs ist neuer Schülersprecher des Berufskollegs für Heilerziehungspflege der St. Vincenz-Gesellschaft. Seine Stellvertreterinnen sind Sabine Gries, Julia Schmidts und Katrin Neckenig. Das Quartett vertritt ab sofort die Interessen von angehenden Heilerziehungspflegern, die in Ahlen ausgebildet werden. Diese spezialisierten Fachkräfte im Sozial- und Gesundheitswesen arbeiten mit behinderten Menschen.

Neue Vertrauenslehrerin ist Heike Hilbers. Sie wurde, wie auch die Schülersprecher, von den Klassensprechern und deren Stellvertretern bei der ersten Schülerverwaltungssitzung gewählt.

Das Gremium möchte im kommenden Jahr erneut den bewährten Informationstag zu Studien- und Weiterbildungsmöglichkeiten organisieren. Als neue Angebote sollen für die Mitschüler ein Meinungskasten und eine selbst organisierte schulinterne Kaffeeeversorgung eingerichtet werden. An die Schulleitung richteten die Sprecher die Bitte, in Absprache mit dem Kollegium eine Beteiligung des Berufskollegs am Caritas-Kreativwettbewerb zu ermöglichen.

Heilerziehungspfleger werden in Ahlen in Vollzeitlehrgängen - diese bestehen aus zwei Jahren überwiegend schulischer Ausbildung und einem einjährigen Berufspraktikum - und in berufsbegleitender Form ausgebildet. Voraussetzungen für beide Berufsausbildungen sind der Sekundarabschluss I (Fachoberschulreife) sowie der Abschluss einer Berufsausbildung im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen oder Sozialwesen - etwa Sozialhelfer/in, Kinderpfleger/in oder Heilerziehungshelfer/in. Interessierte können sich informieren und bewerben bei: Berufskolleg für Heilerziehungspflege der St. Vincenz-Gesellschaft, Robert-Koch-Straße 41, 59227 Ahlen, Tel. 02382 - 858-225, E-Mail: hep-schule(at)st-vincenz-gesellschaft.de.

 

Heilerziehungspflege zeigt berufliche Perspektiven auf

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Die beruflichen Möglichkeiten für Heilerziehungspflegersind anerkannt gut. Die speziell ausgebildeten Fachkräfte arbeiten mit behinderten Menschen - etwa in Wohnheimen, in integrativen Kindergärten, Förderschulen, bei ambulanten Diensten oder in beschützten Werkstätten. Welche zusätzlichen Perspektiven sich durch Studium oder Weiterbildung ergeben, erfuhren über 60 angehende Heilerziehungspfleger am 30.05.2011 aus erster Hand:

Sandra Pischka und Rabea Schawrik, Studentinnen der Fachhochschule "Saxion University" im niederländischen Enschede, Angela Quack von der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld und Beate Driewer vom Berufskolleg gestalteten dazu eine Info-Veranstaltung. Eingeladenhatten Schülersprecherin Saskia Wilken und Renate Knobel, Leiterin des Berufskollegs für Heilerziehungspflege der St. Vincenz-Gesellschaft.

Die beide jungen Frauen aus Deutschland, die in den Niederlanden studieren, berichteten den Ahlener Schülern vom Lernen und Leben im Nachbarland. Sowohl Sozialpädaogik als auch zahlreiche weitere Fachrichtungen werden an der Saxion University angeboten - viele davon im "dualen System", das theoretisches Lernen mit dem Sammeln praktischer Erfahrungen verbindet. Die Vertreterin der Bielefelder Diakonie-Fachhochschule stellte deren Studiengänge für Psychiatrische Pflege, Heilpädagogik, Heilerziehungspflege, Mentoring und Management im Gesunheitswesen vor. Den dritten Teil gestaltete Beate Driewer mit Informationen zu Weiterbildungsmöglichkeiten in der Motopädie, einer Therapierichtung, die auf den Wechselwirkungen zwischen dem Körper in Bewegung und der Psyche des Menschen beruht.

"Eine solche Veranstaltung haben wir nach dem erfolgreichen Auftakt im Vorjahr nun zum zweiten Mal durchgeführt und sie ist wiederum auf großes Interesse gestoßen", resümiert Renate Knobel. "Wir wollen diese, von der Schülervertretung organisierte und mit der Schulleitung abgestimmte Info-Möglichkeit auch künftig jährlich anbieten, um den Schülern des Ahlener Berufskollegs weiterführende Qualifikations- und Berufsperspektiven vorzustellen".

 

„Jeder Mensch ist einzigartig“: Projekt und Ausstellung angehender Heilerziehungspfleger/innen in Ahlen

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Zahlreiche Arbeiten zum Thema „Jeder Mensch ist einzigartig“ sind derzeit im Foyer des Schulzentrums der St. Vincenz-Gesellschaft an der Robert-Koch-Straße ausgestellt.

Präsentationen zum Thema „Jeder Mensch ist einzigartig“ sind derzeit im Foyer und auf den Fluren des Schulzentrums der St. Vincenz-Gesellschaft an der Robert-Koch-Straße ausgestellt. Entstanden sind die Arbeiten am Berufskolleg für Heilerziehungspflege bei einem Projekt, in dem sich Studierende der Oberstufe unter Anleitung ihrer Lehrerin Renate Knobel mit der Einzigartigkeit des Menschen befasst haben. Die Teilnehmenden haben diese Frage über mehrere Wochen thematisiert und ihre Antworten in vielfältigen, unterschiedlichen Präsentationen zusammengefasst.

So lädt zum Beispiel eine Kabine ein, sich durch einen geschützten Blick in den Spiegel mit der eigenen Andersartigkeit auseinanderzusetzen. Eine andere Installation verdeutlicht, dass schon das eigene Gesicht jeden Menschen einzigartig macht. Eine große Wandzeitung macht die Unterschiedlichkeit der Menschen anhand von Fotographien prominenter und „normaler“ Menschen deutlich, in Kombination mit gemischten Zitaten, warum sie einzigartig sind. Einzigartigkeiten am runden Tisch verdeutlicht ein Werk, das verschiedene Beispiele für das Besondere von Menschen zusammenfasst. Auch Fingerabdrücke, verschiedene fremdsprachliche Ausdrücke für „Jeder Mensch ist einzigartig“ sowie Gipsmasken verdeutlichen die Einzigartigkeit. Eine weitere Gruppe Studierender hat Menschen in der Fußgängerzone interviewt und sie nach Merkmalen ihrer Einzigartigkeit befragt.

 „’Jeder Mensch ist einzigartig’ ist eine Behauptung, mit der sich jeder Mensch irgendwann in seinem Leben einmal auseinandersetzt“, erläutert Renate Knobel den Hintergrund des Projektes. Diese geschehe vielleicht im Rahmen der Entwicklung und Reifung, während der Pubertät, wenn es um die Abgrenzung der eigenen Persönlichkeit von Erwartungen anderer, Eltern, Schule und Gesellschaft geht, oder aber in problematischen Lebensabschnitten. „Wenn junge Menschen sich für eine Arbeit mit Menschen mit Behinderung interessieren, kommt dieser Anspruch verstärkt zum Tragen; gerade hier stellt die Frage nach der menschlichen Einzigartigkeit und damit auch nach dem eigenen Wert eines jeden Menschen“, so die Pädagogin. 

In der abschließenden Reflexion machten die Studierenden deutlich, dass sie diese Erfahrungen gerade für ihre Arbeit mit Menschen mit Behinderung wichtig finden, denn jeder Mensch ist es wert, ihn respektvoll zu behandeln. Gerade auch Menschen mit Behinderung sind einzigartig und verdienen es, so wie sie sind, akzeptiert zu werden.